Skip to content

Zitate

1) Nach dem Wetter, ein Prosagedicht von Stefan George, entnommen dem Band Tage und Taten:

Die Flieder sind geblichen und ihr geruch verringerte sich • aber laub und gras stehen dichter und dunkler .. der garten ist feucht und kühl und fast von menschen rein. Feiertagsfrühe die mit regen droht. Und während die glocken zusammenläuten träufelt zu dem schon reichlichen am boden neues wachs von den kalten kerzen die auf den maronenbäumen stecken.

2) Franz Kafkas Wunsch, Indianer zu werden:

Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glattgemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.

3) Ein Auszug aus Wolfgang Hilbigs (1941-2007) umfangreichem Prosastück Alte Abdeckerei:

Alte Abdeckerei, sterngestirnter Umfluß. Alte Abdeckerei unter dem Dach ratloser Gedanken, ratloses Geklapper altüberdachter Gedanken, alte Abmacherei. Nachtgedachte Gedanken, gestirnt: altes Abgeklapper, das Gestirn bedeckt. Und Wolken, altes Geräusch: Rauchgehirn hinter Wolkenstirn, windiges Dach von Abgewölken, das die Sterne deckt. Unten aber der Fische gewundenes Licht: wie Sternenschrift, gewunden und mit sachtem Zirpen aus der Luft gefallen. Vorbei an Winkeln dichtgedrängter Häuser, vorbei an Straßen, schneller fallend und verschwunden. Im entlichteten Fluß verschwunden, im versunkenen Fluß, wolkenüberdacht, und schwindend mit den Wassern in die Nacht. […]

(Wolfgang Hilbig, Alte Abdeckerei; Frankfurt am Main, 1993 (Lizenzausgabe des Fischer Taschenbuch Verlags); S. 114 f.)

4) Und ein paar Zeilen aus Übers Eis, einem Roman von Peter Kurzeck (1943-2013):

Heiß. Frankfurt. Heiß ist es. Mittag, Nachmittag. Blau, blaugrau und lila die Hitze und hat sich so angesammelt. Genau wie die Müdigkeit, schwer. Schläfrig die Stadt. Mittagsmatt. Und die Tauben gurren. Gerade jetzt ist wahrscheinlich die Hitze am größten. Schwül. Diesig das Licht. Heiß ist es. Frankfurt am Main. Schon halb? Halb zwei? Halb wie im Halbschlaf schon? Im Juli, im August. Lang wie ein Sommer dieser einzige heutige Nachmittag. Vielleicht stehengeblieben die Zeit? Wie wenn du träumst, daß du träumst, daß du träumst. […]

(Peter Kurzeck, Übers Eis; Frankfurt am Main, 2012 (ebenfalls eine Lizenzausgabe des Fischer Taschenbuch Verlags); S. 144)

5) Des Weiteren sei noch auf Charles Baudelaires Petits poèmes en prose (Kleine Gedichte in Prosa), erschienen 1869, verwiesen.